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In loser Folge stellen wir Ihnen in der FEDERWELT Autorenvereinigungen und ‑verbände vor. Den Anfang machten die Mörderischen Schwestern (Februar 2009, Heft 74) in unserem Schwerpunktheft zum Thema Krimi. Dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) gratulierten wir zum 40-jährigen Jubiläum (Dezember 2009, Heft 79), und in der Februar-Ausgabe (Heft 80) meldete sich die Autorinnenvereinigung zu Wort.
Diesmal präsentiert sich in unserer Rubrik PROSA der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA) e.V., und zwar mit einem Interview und einer Geschichte.
Eine Lobby für junge Autorinnen und Autoren
Interview mit Tobias Kiwitt, Vorstandssprecher BVjA
Der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA) wurde 1987 gegründet. Mit etwa 500 Mitgliedern vertritt er als bundesweite Interessenvertretung junge (Nachwuchs-)Autoren. Was sind die besonderen Interessen junger Autoren, die eine solche Organisation notwendig machen?
Gerade junge Autorinnen und Autoren brauchen eine Lobby. Sie brauchen die Möglichkeit des Diskurses, des Lernens und Austausches etwa durch gemeinsame Treffen, Seminare und Schreibwerkstätten. In BVjA-Regionalgruppen finden sie Zusammenhalt und bekommen Tipps und juristischen Rat.
Wir erleben eine Zeit, in der so viel publiziert wird wie nie zuvor. Jährlich drängen rund 90.000 neue Buchtitel auf den Markt. Hinzu kommen im Printbereich unzählige Tageszeitungen und Zeitschriften und außerdem noch die vielen Veröffentlichungen, die elektronisch erscheinen. Zugleich leben wir in einer Zeit, in der deutschsprachige Literaten es schwer haben, Verlage zu finden, die noch bereit sind, ein unternehmerisches Risiko für sie zu tragen.
Der BVjA wird nicht müde, immer wieder daran zu erinnern: Wir brauchen Verlegerinnen und Verleger, die noch die Leidenschaft und den Mut aufbringen, sich für junge AutorInnen und deren Erstlingswerke zu engagieren und damit ihren Beitrag zur Literaturförderung zu leisten.
Wir tragen unseren Teil zur Literaturförderung bei, indem wir die Interessen junger Autoren öffentlich ins Gespräch bringen. Zum diesjährigen Welttag des Buches hat der BVjA zum Beispiel den offenen Brief „Von der Kommerzialisierung zurück zum Buch“ verfasst. Darin weisen wir auf die Belange junger Autoren hin.
Ein anderes aktuelles Beispiel ist sicher das Fairlag-Engagement. Wie kam der BVjA auf die Idee, das „Aktionsbündnis für faire Verlage“ ins Leben zu rufen?
Seit Jahren werden wir mit dem Problem der sogenannten Pseudo- und Druckkostenzuschussverlage konfrontiert. Nicht nur wir, sondern sämtliche Autorenverbände wurden in den letzten Jahren immer öfter von Autoren um Rat und manchmal sogar um finanzielle Unterstützung für eine Buchveröffentlichung in diesen fragwürdigen Unternehmen gebeten. Das trifft natürlich gerade die jungen und nicht selten unerfahrenen Autoren besonders, an die sich diese Unternehmen zum Teil sogar gezielt wenden. Es war höchste Zeit, mit den anderen Schriftstellerverbänden gemeinsam Flagge zu zeigen und offensiv für die Belange aller Autoren – und im Übrigen auch für die der gesamten seriösen Literaturbranche – das Wort zu ergreifen.
Daher haben wir mit dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di, der IG Autorinnen Autoren aus Österreich sowie mit dem Verband der Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) vor zweieinhalb Jahren das Aktionsbündnis mit sehr viel Erfolg gegründet. Gerade den besonders schwarzen Schafen aus der Pseudoverlagsbranche ist dieses Bündnis natürlich ein Dorn im Auge. Es kam zu Klageandrohungen, ja sogar zu Verleumdungen und Bedrohungen. Einschüchterungsversuche dieser Art haben aber keinen Erfolg mehr. Fairlag klärt auf, egal ob es solchen Unternehmen passt oder nicht.
Denn wir können immer nur wiederholen: Firmen, die von Autoren Geld verlangen, sind keine Verlage im eigentlichen Sinne – auch wenn sie sich selbst so nennen. Wir warnen ausdrücklich davor, Geld für eine Publikation auszugeben. Vielmehr hat es der Autor verdient, Geld für seine Leistung zu bekommen.
Wie definieren Sie den Begriff „junge Autorin“ beziehungsweise „junger Autor“? Gibt es eine Altersbeschränkung?
Die Frage bekommen wir natürlich sehr häufig gestellt. Jung ist für uns keine Frage des Lebensalters. Jung ist ein Autor, der noch ganz zu Beginn seines literarischen Werdegangs steht und das Ziel verfolgt, ein arrivierter Autor zu werden. Jung ist aber auch die Schriftstellerin, die dort schon angekommen ist und sich in ihrem Geist dennoch jung fühlt. Mitglieder wie Tanja Kinkel und Markus Orths sind dafür Beispiele. Sie waren schon Mitglied, als sie noch nicht bekannt waren und fühlen sich unseren Zielen weiterhin verbunden. Das ist alles andere als selbstverständlich, offenbart aber eine Geisteshaltung, für die wir sehr dankbar sind.
Eine Altersgrenze kann es bei unserer Definition nicht geben. Der BVjA hat längst die einst geltende Altersgrenze von 35 Jahren abgeschafft, die ohnehin nur eine Bedeutung hinsichtlich einer staatlichen Förderung durch das Bundesfamilienministerium gehabt hatte. Unsere Mitglieder sind 16-Jährige genauso wie 80-Jährige, wobei ich gerne zugebe, dass die meisten zwischen 18 und Anfang 40 sind. Und das ist gerade das Schöne: Bei uns lernen die Lebensjüngeren von den Lebensälteren und umgekehrt. Gemeinsam stehen wir als junge Autorinnen und Autoren für unsere Interessen ein.
Wie teuer ist eine Mitgliedschaft und welche Leistungen gibt es dafür?
Der Jahresbeitrag liegt bei 35 oder ermäßigt bei 26 Euro. Neben unserer Mitgliederzeitschrift „Schublade“, die quartalsweise erscheint und als Informationsmedium dient, geben wir jährlich die beiden Literaturmagazine „Konzepte“ und „LiMa“ heraus. Langjährige Federwelt-LeserInnen erinnern sich bestimmt noch: Bis 2005 war die Federwelt das Mitgliedermagazin des BVjA.
Wir machen explizit Interessenarbeit für junge AutorInnen und vertreten ihre Interessen gegenüber den Verlagen und der Politik. Dabei sehen wir uns ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den etablierten Schriftstellerverbänden, sondern als Ergänzung im Sinne einer Nachwuchsförderung. Wir wollen dazu beitragen, dass der Nachwuchs in die Literaturbranche hineinwächst. Alle, die schreiben, können Mitglied werden. Eigenständige Veröffentlichungen, wie man sie etwa – mit Fug und Recht – bei einem Berufsverband wie dem VS nachweisen muss, um aufgenommen zu werden, braucht es bei uns nicht. Wir führen wirklich den jungen Nachwuchs, der sonst keine Lobby hat, in den Literaturbetrieb ein und geben ihm eine Stimme.
Dazu veranstaltet der BVjA auch regelmäßig Literaturwettbewerbe. Der letzte Wettbewerb, 2009, hieß „Ich bin ein 89er“ und wurde vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert. Thema war der Mauerfall vor zwanzig Jahren. Wie war die Resonanz?
Das Thema passte natürlich sehr gut. Denn auch der BVjA will Mauern niederreißen und dazu beitragen, Möglichkeiten für junge Autorinnen und Autoren zu eröffnen. Mit dem Literaturwettbewerb „Ich bin ein 89er“ luden wir dazu ein, sich über die Bedeutung junger Literatur heute, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, Gedanken zu machen. Denn wir fragen uns stets, was junge und moderne Literatur überhaupt ausmacht. Da ist es nur folgerichtig, diese Frage einmal an diejenigen weiterzugeben, die schreiben.
Wir haben viele hinreißende Geschichten erhalten, Geschichten vor allem über Ost und West. Und besonders gut gefiel uns „Wendekind“, die Geschichte, mit der Christina Müller den ersten Preis gewonnen hat.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern der Federwelt viel Freude beim Lesen dieser Geschichte!
Interviewfragen: Tatjana Flade
Links:
www.a-d-s.ch (AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz)
www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com (Aktionsbündnis für faire Verlage)
www.bvja-online.de (Bundesverband junger Autoren und Autorinnen [BvjA] e.V.)
www.literaturhaus.at/lh/ig/index.html (IG Autorinnen Autoren)
http://vs.verdi.de/ (Verband deutscher Schriftsteller [VS] in ver.di)