ÿþ<html> <head> <meta http-equiv="content-type" content="text/html;charset=iso-8859-1"> <meta name="generator" content="Adobe GoLive 5"> <title>Federwelt - Geschichten</title> </head> <style type="text/css"> <!-- a { text-decoration: none} a:hover { text-decoration: underline} BODY { scrollbar-face-color: #336699; scrollbar-highlight-color: #ededed; scrollbar-shadow-color: #ededed; scrollbar-3dlight-color: #336699; scrollbar-darkshadow-color: #336699; scrollbar-arrow-color: #ededed; scrollbar-track-color: #336699; } --> </style> <body bgcolor="#336699" link="#ededed" alink="#ededed" vlink="#ededed"> <p><font face="verdana" size="1" color="#ededed" align="top"> <img src="gfx/iconicon.gif" width="10" height="10"><img src="gfx/clearpixel.gif" width="10" height="10"> <i> Volker Schreckenbach: </i><br><br> <b> Blindes Verstehen </b></font> <br> <br> <font face="verdana" size="1" color="#ededed" align="top"> <br> Nebel ab dem ersten Kilometer zwang Henry zu ungewohnt langsamer Fahrt. Den kl&auml;glichen Rest seiner Urlaubsstimmung verschlang ein Stau am Autobahnkreuz Nord. Rita d&ouml;ste auf dem Beifahrersitz vor sich hin, sp&uuml;rte Henrys m&uuml;rrische Blicke und wusste genau, was er dachte. Sie konnte seine Worte noch h&ouml;ren, als sie ihm den Reisegutschein &uuml;berreicht hatte:  Im November an die Ostsee, na toll. Es war der Tag ihrer Silberhochzeit. <br>  Ist das nun so schlimm, dass wir hier sind? , fragte Rita ihren Gatten, als sie am Abend endlich im Restaurant des Hotels sa&szlig;en. Henry wich ihrem Blick aus und brubbelte:  Schon okay. Als der Kellner die Kerze anz&uuml;ndete und ihre Bestellung aufnahm, rang sich Rita ein L&auml;cheln ab und m&uuml;hsam unterdr&uuml;ckte Tr&auml;nen trieben falschen Glanz in ihre Augen. <br> Am n&auml;chsten Morgen hoffte Rita, mit einem Spaziergang am Strand Henrys Laune aufbessern zu k&ouml;nnen. Sie schlug vor, zur Seebr&uuml;cke zu gehen. Henry brummte nur ein gleichg&uuml;ltiges Meinetwegen. <br> In der Nacht hatte ein eisiger Nordost den Nebel verjagt und trieb nun dunkle Wolken von See her tief &uuml;ber das Land. Rita hakte sich unter und dr&uuml;ckte sich fest an ihren Mann, bevor sie auf die Seebr&uuml;cke einschwenkten. Je weiter sie sich vom Strand entfernten, umso h&auml;ufiger und kr&auml;ftiger spritzte ihnen Gischt entgegen, die der Sturm an den Pfeilern aufwirbelte. Nass gespritzt erreichten sie das Ende der Seebr&uuml;cke, wo Stufen und Plattformen aus verzinkten Gitterrosten eine Anlegestelle bildeten. Fast &uuml;berall waren Gel&auml;nder angebracht, nicht jedoch an den Stellen, die f&uuml;r das Anlanden der Schiffe bestimmt waren. Die Angst, von einer B&ouml;e erfasst in das eiskalte Wasser zu fallen, lie&szlig; sie Abstand halten.<br> Pl&ouml;tzlich bemerkten sie drei junge Frauen, die mit raschen Schritten auf sie zukamen. Sie trugen Kleidung wie geschaffen f&uuml;r dieses Wetter. Es schien, kein tosender Sturm, kein peitschender Regen k&ouml;nnte ihnen etwas anhaben. Fr&ouml;hlich marschierten sie auf das Ehepaar zu, lachten scheinbar grundlos und fuchtelten lustig mit ihren Spazierst&ouml;cken herum. Nein, das waren keine Spazierst&ouml;cke, erkannte Rita erschrocken, die St&ouml;cke waren wei&szlig;, und alle drei Frauen trugen dunkle Brillen.<br>  Die sind blind, Henry, wir m&uuml;ssen sie aufhalten! , schrie Rita,  sie st&uuml;rzen sonst ins Wasser! <br>  Verdammt, du hast Recht. Los, komm! <br> Schon sp&uuml;rte Rita einen leichten Schlag an ihrem Schuh. Die Frau vor ihr hielt kurz inne, drehte sich nach links, orientierte sich neu und huschte mit einem freundlichen  Moin, moin vorbei, gefolgt von ihren Gef&auml;hrtinnen.<br>  Halt! , rief ihnen Henry nach. Doch die drei schienen nicht nur blind, sondern auch taub zu sein. Beschwingt betraten sie die Anlegestelle, ihren Stock immer vor sich her bewegend, links  rechts, klick  klack. Als die Frauen auf die offene Plattform hinabstiegen, zuckte Henry zusammen und Rita befiel eine G&auml;nsehaut. Die kleine Dralle lief geradewegs ins offene Meer. Erst im letzten Moment, als ihr Stock ins Leere schlug, &auml;nderte sie abrupt die Richtung. <br> Nachdem die wei&szlig;en St&ouml;cke alles abgetastet hatten, trat das muntere Trio den R&uuml;ckweg an, heiter und v&ouml;llig unber&uuml;hrt von den eben &uuml;berstandenen Gefahren. Es schien, als h&uuml;pften sie bei strahlender Sommersonne &uuml;ber eine &uuml;ppig bl&uuml;hende Wiese und erfreuten sich an den Farben und D&uuml;ften.<br> Rita lehnte mit dem R&uuml;cken an Henry, der sie mit beiden Armen umfing. Sie schauten den Frauen nach, bis diese au&szlig;er Sichtweite waren. Erst dann drehte sich Rita langsam um. Verlegen erwiderte er ihren Blick. Der Sturm verschlang seine Worte, aber sie hatte verstanden. Seine Lippen schmeckten salzig, als er sie k&uuml;sste wie seit Langem nicht mehr. Hand in Hand rannten sie lachend zur&uuml;ck zum Strand.<br> <br> </font> <div align=right><a class="norm" href="javascript:window.close();"><font face="verdana" size="1" color="#ededed" align="top"><b>Fenster schließen</b></font></a></div> </pre> </body> </html>